[Rezension] Rockherz - Andie F. Andersson

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 Miami, London, München: Das ist die Welt von Almond. Die Siebzehnjährige ist ein Scheidungskind und lebt für die Momente, die sie bei ihrem Vater verbringen darf. Als Manager von Rockbands hat er Almonds Musikstil geprägt und sie träumt heimlich davon, einmal in seine Fußstapfen zu treten. Bei einem ihrer Besuche lernt sie Burnside Close, die neue Band ihres Vaters, kennen und verliebt sich in deren Leadsänger Morris. Mehr denn je ist Almond daraufhin überzeugt, dass Rockmusik ihr Leben ist. Doch ihre Mutter ist davon so gar nicht begeistert. Als dann auch noch ein schwerer Schicksalsschlag Almonds Leben völlig auf den Kopf stellt, weiß sie bald selbst nicht mehr, was sie eigentlich will und begibt sich auf eine lange Reise, um herauszufinden, was ihr wirklich wichtig ist.


Unsere erste Begegnung wird für immer in mein Herz tätowiert sein. 
Als ich gestern mit jemanden über dieses Buch geredet habe, meinte ich noch so: Den ersten Satz habe ich jetzt nicht mehr im Kopf, aber auch wenn er nicht so toll war, der Rest des Buches war es. Ich habe nicht gelogen. Aber eine Sache stimmt an dem Satz nicht mehr. Der erste Satz ist toll. Allein diese Beschreibung, dass etwas ins Herz tätowiert ist, heißt, dass es richtig tief unter die Haut geht. Und natürlich stellt man sich auch die Frage, wer hier wem begegnet. Mit Klappentext lässt sich daraus schließen, dass wir hier von Almond und Morris reden, aber genaue Umstände gibt es deswegen trotzdem nicht. Wo begegnen sie sich: Miami, London oder München? Wann? 
Im Gesamten ein schöner erster Satz, der mich besonders durch seine Andeutung auf sehr tiefe Gefühle überzeugt hat.
Ich wandte mich um und da stand Morris. Er erwischte mich eiskalt.
Und mich genauso. Mit diesen zwei Sätzen ging also eine Geschichte los, die ich nicht mehr weglegen konnte. Sie war einfach so traumhaft schön. 
Als erstes möchte ich sagen, dass ich zu Beginn etwas komplett Anderes erwartet habe. Ich hüte mich davor, andere Rezensionen zuerst zu lesen und so war es auch hier. Daher dachte ich für den ersten Moment, dass die Story nur in den Wochen spielen würde, die Al bei ihrem Vater ist. Sechs Wochen also. Für ein Buch wohl eine Zeit, die im Durchschnitt liegt. Doch dieses Buch brachte mehr. 
Nach zwei Kapiteln hatten wir also die sechs Wochen schon durch und jetzt? Das kann es doch nicht schon gewesen sein?! War es auch nicht, denn da kam noch so unheimlich viel mehr. Man begleitet Al über Jahre hinweg und genau das macht dieses Buch schon der Story wegen besonders. Es ist ein Unterschied, ob man sich über Jahre mit der Person entwickelt oder nur über einen kurzen Zeitraum. Zuerst dachte ich noch, dass es vielleicht alles zu schnell ging, aber nachdem ich mich eingelebt hatte, war alles genau richtig. Durchgängig spielt dabei Burnside Close eine wichtige Rolle und ist der rote Faden in Als Leben, genau wie die Rockmusik selbst.
Da wusste ich es. Ich hatte mich verliebt. Hals über Kopf. Unwiderruflich.
Und da haben wir das Thema, das sich durch das gesamte Buch zieht. Allerdings ist es im Nachhinein doch für mich erst das zweitgrößte Thema. Vielmehr geht es um Almonds Suche nach ihrem Sinn des Lebens und was sie machen möchte. Und genau das zeichnet für mich ein Jugendbuch aus. Als Jugendlicher überlegt man immer so viel und besonders die Frage "Was möchte ich mit meinem Leben machen?" beschäftigt mich persönlich immer wieder. Daher ist es sehr schön, dieses Buch zu lesen, denn es gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Und es gibt mir auch die Bestätigung, dass ich das machen soll, was ich gern möchte und nicht das, wozu andere mich gern zwingen würden. Dieses Buch passt also genau zu seinem Genre und hat mich schon allein deshalb auf seiner Seite, weil es die Suche nach einem Sinn so tiefgründig zeigt.
Da war sie. Die Situation, die mir die Möglichkeit bot, Morris meine Gefühle zu gestehen. [...] Doch alles, was ich sagte, war: »Ich muss jetzt los.«
Diese Sätze treffen das Problem des Buches eigentlich auf den Kopf. Und dieses entsteht nicht erst in der Mitte des Buches. Es besteht seit Beginn. Zuerst ist es Morris, der sich quer stellt und nach dem bekannten Schicksalsschlag geht's bergab bei Almond. Dieses Buch war für mich teilweise einfach nur zum Ausrasten, aber auf eine traumhaft, schöne Art und Weise. Es führte mir deutlich vor Augen, dass ich mit meinen Entscheidungen nicht zu lange warten darf, denn es kann nur allzu schnell vorbei sein und man bekommt für manche Gelegenheiten leider keine zweite Chance. Das ist auch eine der Sachen, durch die das Buch seine Spannung bekommt. Al lässt leider zu viele Chancen verstreichen und trotzdem hält sie an ihren alten Lieben fest. Die letzten Seiten brachten mich dabei an den Rand der Tränen, doch ob ich meine Erlösung bekam, lasse ich an dieser Stelle offen. Dieses Buch zu lesen war auf keinen Fall leicht, da ich mich sehr gut mit der Story identifizieren konnte.
»Du hast mich für das normale Leben verdorben, Dad«, murmelte ich in das Spektakel hinein. 
So böse es an dieser Stelle auch klingt, aber der Schreibstil ist eine Sache, die ich nur selten wirklich gut finde. Besonders bei Dingen, die sich über einen langen Zeitraum ziehen, aber hier war alles super! Es war alles flüssig und auch wenn man innerhalb weniger Seiten einen Zeitraum von Monaten überspringt, erschien mir doch alles logisch und passte perfekt. Vielleicht gibt es einige Stellen, wo man sich denkt, dass man gern mehr wissen würde, aber wenn man dann die Story betrachtet, fällt einem auf, dass es zu viel des Guten wäre. Jede Handlung ist wohl überlegt, jedes Wort passt auf den Punkt. Die Sprache ist sehr einfach gehalten, sodass es wirklich jeder verstehen kann und ich nicht bei jedem zweiten Wort nachgucken muss, was damit gemeint ist. Die verwendeten Wortzusammenstellungen wurden kreativ eingesetzt und man bekam nicht das Übliche serviert. Es war speziell, aber doch auch vertraut, sodass es den sonst so leichten Schreibstil nicht störte.

»Ich bin Al«, erwiderte ich.
Ach herrje, ich möchte sie gar nicht mehr loslassen, aber ich schätze, ich habe keine andere Wahl. Genauso wenig, wie ich Morris und Burnside Close verlassen möchte. Alle Charaktere sind mir so sehr ans Herz gewachsen. Besonders die liebe Al, die man mit ihrer leicht chaotischen Art einfach lieben muss. Es hat mich absolut gar nicht gestört, dass sie immer wieder denselben Fehler beging. Auf dem Weg nach seinem Sinn des Lebens macht man das wahrscheinlich. Man versucht es immer wieder, auch wenn es nicht funktionieren will. Und dann flüchtet man, um seine Fehler zu vergessen, aber sie holen dich immer wieder ein. Also stell dich ihnen. 
Und dann gibt es neben Morris und der Band Als Dad, der mir genauso ans Herz gewachsen ist. Warum nur? Zwischendurch hätte ich allein wegen ihm schon heulen können. Kurz, aber doch mit so viel Emotionen geschrieben ... Ich fange gleich wieder an zu heulen. ... *schnief* 
Als Mom ist mir genauso ans Herz gewachsen. Obwohl ich sie zu Beginn echt verabscheut habe, aber ich glaube ohne sie stünde Almond nicht an der Stelle, an der sie sich zu Ende befindet. Ihre Mutter hat in ihr den Wunsch geweckt sich aufzulehnen und dafür muss ich ihr danken. 
Und als letzte Person darf ich hier Granny nicht vergessen, die für mich eine sehr wichtige Rolle spielte, denn obwohl sie nicht allzu oft auftauchte, unterstützte sie Al immer und gab ihr den nötigen Tritt in den Hintern, den sie eigentlich schon lange gebraucht hätte. Gut, dass Al diesen Tritt dann auch endlich mal bemerkt hat und das getan hat, was sie liebt.
Du hast ein Rockherz und du darfst es an Newcomer-Bands verschenken. 
Wie richtig Michael damit lag, wusste er zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich gar nicht so recht, denn ihr Herz hatte Al schon lange verschenkt. Eben an eine solche Newcomer-Band und ihr Name ist immer noch Burnside Close. Doch durch diesen Satz zeigt sich auch die Verbundenheit zum Cover. Es geht wirklich um Als Rockherz, das nun einmal für Morris und seine Band schlägt, seitdem sie sie kennengelernt hat. 
Auf dem Cover ist ganz klar Al zu sehen, die für mich bei Rockmusik komplett abgeht. Der einzige Unterschied zum Buch ist, dass Al leider nicht selber mitspielt. Aber die Gitarre soll wahrscheinlich die Musik repräsentieren, die das ganze Buch über immer eine wichtige Rolle spielt. Schon allein die Titel der Kapitel bestehen aus Songtexten. In die Flügel würde ich jetzt einfach mal die drei Städte rein interpretieren. Al lebt zwischen Miami, München und London. Sie liebt Reisen und mag auch das Gefühl mit der Band auf Tour zu sein. Die Frau selbst ist natürlich ebenso außergewöhnlich. (Gott, ich habe mich in diese High Heels verliebt!) Aber es ist halt Al, die genauso außergewöhnlich ist.

Ich liebe dieses Buch! Wenn weiter oben vielleicht ein paar Dinge nicht danach klangen, aber ich liebe es einfach. Das Cover nahm mich ja schon vollkommen gefangen und dann erst der Inhalt. An alle da draußen: Lest dieses Buch. Ihr werdet es nicht bereuen. Verliebt euch in eine so reale Liebesgeschichte, dass man sich am liebsten wünscht, man hätte auch einen Morris. Lasst euch zeigen, dass alles möglich ist, wenn ihr nur daran glaubt. Ihr könnt es schaffen. Folgt eurem Herzen! Es wird euch immer die Richtung anzeigen, die die Richtige für euch ist. 

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