[Rezension] Die Flucht - Ally Condie

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Wie durch ein Wunder gelingt Cassia die Flucht in die Äußeren Provinzen. Sie will nach Ky suchen, ihrer großen Liebe.
Dort kämpft Ky als Soldat für die Gesellschaft und ist ununterbrochen brutalen Angriffen ausgesetzt. Als Cassia endlich auf eine Spur von Ky stößt, ist er bereits entkommen und auf dem Weg in die wilden Canyons in den Grenzgebieten.
Verzweifelt macht sich Cassia auf den lebensgefährlichen Weg.  Was wird sie am Ende der ihr bekannten Welt finden? Zwischen steinigen Schluchten und staubigen Pfaden sucht Cassia nicht nur nach Ky  –  sondern auch nach sich selbst.



Denn schenkt man einmal seine Liebe her, ist sie weg. Man kann sie nicht mehr zurückrufen.
Hmm, erster Eindruck zu "Die Flucht"? Gute Fortsetzung der Story, logisch, nicht gezwungen und trotzdem nimmt das Buch mich nicht so sehr mit.
Vom ersten Teil war ich ja irgendwie fasziniert, weil es so anders war als alles, was ich bisher gelesen hatte. Der zweite Teil war natürlich in derselben Art gemacht. Die Bücher sind allgemein sehr tiefgründig und ich zweifle an nichts von dem, was Cassia oder Ky getan hat oder an dem, was sie denken. Es ist alles in sich stimmig und flüssig, doch mir fehlte hier dieser Funken, der mein Bücherherz erwärmt. Es war schön, alles zu lesen, aber ja ... Es hat keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich denke mir hinterher: Gut, du hast das jetzt gelesen, weißt, wie es weitergeht. Die Anbindung an den ersten Teil ist gut geworden, aber sonst? Mir fehlt dieses Etwas, das mich schwärmen lässt. Dieses Etwas, das mich rumlaufen lässt und jeden bequatschen lässt, wie toll dieses Buch ist.

Es wäre viel einfacher, die Welt so darzustellen, wie ich sie gern hätte, als herausfinden zu müssen, wie sie wirklich ist.
Tja, meine liebe Cassia, du willst aber herausfinden, wie sie wirklich ist, denn nur darin hast du Ky so, wie du ihn willst. Bereits zum Ende des ersten Teils war klar, was im zweiten Teil passiert: Cassia macht sich auf die Suche nach Ky. Natürlich gab es ausreichend "Zufälle", sodass sie auch wirklich eine Chance hatte. Ich muss jedoch ehrlich sagen, dass es ganz süß war.
Ich würde mir wirklich jemanden wünschen, der so ist wie Cassia, denn sie hat sich durch die Geschichte durchgekämpft. Sie hat alles dafür getan, um den Lauf der Dinge zu verändern, um endlich bei Ky zu sein. Sie riskierte ihr Leben und das war irgendwie niedlich. Zwar gab es keine Überraschungen, keine Dramen, aber trotzdem mochte ich die Story. Sie passte einfach zu allem drum und dran.
Im Nachhinein betrachtet, bestand das Buch aus drei kleineres Storys. Einmal Cassias Story, wie sie aus ihrem Gefängnis ausbricht. Dann Kys Teil, als er verzweifelt versucht, seinem Schicksal zu entfliehen, um Cassia zu finden und dann beide zusammen, die scheinbar die Welt retten können. 

Am Ende hat man nicht immer auf das Einfluss darauf, was man behalten kann. Nur darauf, wie man es loslassen kann.
So, jetzt aber mal zu einem Teil, der mich echt gestört hat. Und zwar war das hier der Schreibstil. Ich kannte ihn ja bereits aus dem ersten Teil und da war das auch noch in Ordnung. Ich kam damit zurecht, dass sehr viel nachgedacht wurde. Das ist nun einmal so, wenn für Cassia scheinbar eine Welt zusammenbricht und sie die Welt hinter der Fassade kennenlernt, aber nun, da eigentlich schon alles klar ist, kann sie da mal bitte aufhören zu denken?
Es gab mehrere Stellen, wo ich mir wirklich dachte: Mädchen, hör auf zu denken, zu analysieren, krieg deinen Arsch hoch und beweg dich jetzt bitte. Cassia konnte zwischenzeitlich sehr anstrengend sein, weil ich teilweise das Gefühl hatte, sie analysiert jeden Grashalm um sich herum. Ich hab ja nichts dagegen, wenn man viel nachdenkt. Vor allem, da ihre Gedankengänge sehr interessant waren, aber irgendwann reicht es. Da fehlte mir persönlich der Bezug auf die Handlung. In Gesprächen fing Cassia an, einen Roman zu denken und dann kam wieder ein Satz. Da saß ich erst mal da und fragte mich, wozu dieser Satz jetzt gehört, bis ich dann drei Seiten vorher eine Frage entdeckte.
Dadurch ging auch das Interesse am Gespräch immer weiter flöten, weil ich im Gedankengang vertieft war. Dieser wurde dann durch wörtliche Rede (ein Satz) unterbrochen und ging dann an einer ganz anderen Stelle weiter.
Ich weiß, Gedanken kann man nicht strukturieren, sie tauchen wahllos in unserem Kopf auf, aber im Buch ist so etwas für mich eher hinderlich.

Und dann ist da nur noch der Kuss.
Im Gegensatz zum ersten Teil würde ich schon sagen, dass Cassia sich verändert hat. Sie ist noch tiefgründiger geworden, da sie selbst die Probleme der Gesellschaft miterlebt, die Wahrheit hinter Fassade erkennt, ohne dass jemand sie ihr zeigt. Ich denke, das ist es auch, was die Veränderung hervorbringt. Wenn mir jemand erzählt, wie toll es an in Australien ist, habe ich trotzdem nicht richtig verstanden was er meint. Das tue ich erst, wenn ich dort bin. Genauso ist es bei Cassia, sie versteht langsam das, was Ky ihr im ersten Teil erzählt hat. Sie lernt die Äußeren Provinzen kennen, den harten Kampf ums Überleben und das macht sie stärker.Trotzdem finde ich es atemberaubend, dass sie zumindest teilweise doch sie selbst bleibt. Sie wird durch die Erfahrung kein vollkommen anderer Mensch, der jetzt anders denkt. Auf bestimmte Dinge hat sie eine andere Sicht als vorher, aber das ist normal. Der Ansatz ihrer Gedanken bleibt aber gleich. Ich finde es erstaunlich, dass die Autorin es so schaffte, Cassia zu verändern, ohne dass sie ihren ganzen Charakter verändert. Sie schafft es wirklich, Cassia Erfahrung zu geben, sie "erwachsen" werden zu lassen.
Ky hingegen ist im Grunde derselbe wie vorher. Er hat sich nicht sonderlich verändert, da er immer noch sehr geheimnisvoll ist. Was mir aber aufgefallen ist: Er ist offener geworden. Während er im ersten Teil sehr ruhig und verschlossen wirkte, selbst Cassia gegenüber, ist er jetzt gesprächiger und verrät nicht nur Cassia etwas von sich. Vick und Eli werden zu seinen Vertrauten, obwohl er sie nicht kennt. Ich finde es auch schön, dass man durch den Perspektivwechsel auch seine Gedanken kennenlernt, obwohl es mir manchmal sehr ähnlich zu Cassia vorkommt. Das gab mir so das Gefühl, als wäre die Grenze zwischen dem Charakter Ky und Cassia verschwommen und nicht mehr so klar, wie sie eigentlich sein sollte.
Indie war genau wie Ky im ersten Teil. Verschlossen und unergründlich. Xander war für mich genauso unergründlich. Zwar habe ich mehr über ihn erfahren, aber ich kann ihn einfach nicht einschätzen. Eli und Hunter schon gar nicht. Die Nebencharaktere sind irgendwie eine Schwäche der Autorin. Für mich sind sie nicht so wirklich da. Außer den Hauptpersonen, die hier nur Cassia und Ky sind, kenne ich den Rest gar nicht.

Wenn sich einer von uns auch nur ein klein wenig bewegt hätte, hätte sich alles verändert.
Auch in diesem Buch spielen Gedichte wieder eine sehr besondere Rolle. Das verbindet den zweiten Teil also schon einmal mit dem Ersten, aber was ich erstaunlich finde, dass die Autorin so viele Verbindungen geknüpft hat. Ich merke, dass viele Autoren irgendwie Probleme damit haben, einen ordentlichen Übergang zu finden und die Teile dann auch noch der Serie zugehörig wirken zu lassen ohne das alles wiederholt wird. Ally Condie hat das geschafft. Und dafür gibts von mir eine ordentliche Portion Respekt. 
Zum Cover muss ich wahrscheinlich nicht viel sagen, perfekt. Auch wenn mir da wieder die beiden Jungs fehlen. =) Ansonsten beschreibt es das Buch in einem Bild.


"Die Flucht" ist eine an sich sehr gelungene Fortsetzung der Reihe, auch wenn mir hier die Problemzonen mehr aufgefallen sind. Doch die Probleme für mich liegen nicht am Buch selbst, sie liegen in der gesamten Art, wie die Autorin alles geschrieben hat. Mit manchen Dingen komme ich doch nicht so klar, wie ich anfangs gedacht habe.
Wer allerdings mit der speziellen Erzählweise gut klarkommt, der wird sich über diese Fortsetzung freuen. Im Gegensatz zu so vielen anderen Reihen hat Ally Condie es geschafft, auch wirklich eine Fortsetzung zu schreiben, die man freiwillig liest, weil es einfach schön ist. 

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