[Rezension] Die Auswahl - Ally Condie

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https://www.amazon.de/Cassia-Ky-Die-Auswahl-Band/dp/3841421199 

 Für die 17-jährige Cassia ist heute der wichtigste Tag ihres Leben: Sie erfährt, wen sie mit 21 heiraten wird. Doch das Ergebnis überrascht alle: Xander, Cassias bester Freund, ist als ihr Partner vom System ausgewählt worden. Als jedoch, offenbar wegen eines technischen Defekts, das Bild eines anderen Jungen auf dem feierlich überreichten Microchip auftaucht, wird Cassia misstrauisch. Kann das System wirklich entscheiden, wen sie lieben soll?


Wenn man immer gewusst hat, wie man jemanden ansehen soll, ist es verwirrend, wenn sich die Perspektive verändert.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich nach "Die Auswahl" etwas seltsam fühlte. Das Buch habe ich nicht zum ersten Mal gelesen, damals habe ich es nicht wirklich verstanden, aber nun denke ich mir so: Ja, guuut. Und dann bin ich auch schon irgendwie sprachlos. Es fällt mir richtig schwer, dieses Buch zu beurteilen, weil es zu komplex ist, um es mit einfachen Worten zu beschreiben. Es hat eine bleibende Wirkung hinterlassen, ja, aber ich kann sie nicht wirklich beschreiben. Wenn ich es genauer beschreiben müsste, würde ich vielleicht sagen: Mut!
Das Buch hat mich dazu ermutigt, mein Leben in die Hand zu nehmen und endlich mal für mich selbst einzustehen. Meine Perspektive auf die Welt hat sich auch auf eine verrückte Weise geändert. Kontrolle ist nicht alles. Ein bisschen Chaos muss einfach sein. 

»Der Bildschirm ist und bleibt dunkel. Das kann nur Eines bedeuten ...«
 Die Story an sich war für mich nicht wirklich neu. Es ist nicht das erste Mal, dass jemand von einer anderen Welt schreibt. Einer Welt mit Kontrolle über alles, was uns Menschen eigentlich ausmacht. Mitten drin gibt es ein Mädchen, das eigentlich perfekt in die Welt passt. Sie rebelliert nicht, ist ganz normal. Dann taucht Junge Nummer 1 auf. Sie verlieben sich ineinander und alles wäre super. Aber es gibt natürlich auch noch Junge Nummer 2, der dem Mädchen den Kopf verdreht und schon verliebt sie sich auch ihn. Es gibt das bekannte Dreieckschaos und die Rebellion des Mädchens gegen ihr Umfeld.
Neu? Ein ganz klares "Nein". 
Und trotzdem hat die Story etwas, das mich fasziniert. Trotz des bekannten Formats schaffte die Autorin es, die Story neu wirken zu lassen. Alles, was passiert, ist vorherzusehen. Es ist klar, was passieren wird, wie das Ganze ausgeht. Es ist von Anfang an glasklar und trotzdem hat mich irgendetwas gefesselt. Und zwar so extrem, dass ich an diesem Buch gehangen habe, immer wieder kleine Stücke gelesen habe, um nicht zu schnell vorwärts zu kommen, aber doch ständig Neues zu erfahren.

Seltsam, wie wir uns an die Objekte unserer Vergangenheit klammern, während wir die Zukunft erwarten.
Es sind Sätze wie dieser hier, die den Schreibstil der Autorin auszeichnen. Der Schreibstil ist einfach unglaublich. Ehrlich gesagt, die Sätze plätschern meist nur dahin. 
Aber kennt ihr das, wenn ich an so einem winzigen Gebirgsbach sitzt und das Wasser beobachtet? Wie es dahinplätschert? Ihr wisst, dass es irgendwann in einen Fluss münden wird und dann ins Meer. Ein winziger Gebirgsbach wird irgendwann zu etwas Großem. Der Gebirsgbach vor euren Augen wir zu etwas Großem. Irgendwann. Später. Doch im Moment fasziniert er euch so klein, wie er ist.
Vielleicht ist dieser Vergleich nicht der Beste, aber er beschreibt den Schreibstil eigentlichg anz gut. Ally Condie schafft es so einen kleinen Gebirgsbach zu erschaffen. Er hat mich gefesselt und ich wollte dem Wasser zuschauen, wie es vorbei fließt. Und am liebsten würde ich eintauchen und selbst mit zu etwas Großem werden. Ich möchte die wahre Größe der Worte erfassen, die hinter dem leichten Geplätscher steht. Denn da ist definitiv ein tieferer Sinn versteckt, der einem erst später klar wird.
Mir ist es oft passiert, dass ich einzelne Sätze ein bisschen übersehen habe, bis sie später wieder eine Rolle spielten. Für den Moment habe ich gar nicht mitbekommen, wie viel eigentlich dahinter steckt.
Ich glaube, dieser besondere Schreibstil ist auch etwas, was ich an dem Buch so mag. Er ist total anders. Er ist kein reißender Strom, sondern ein niedlicher Gebirgsbach mit Tiefe. 

Es ist eine Sache, eine Wahl treffen zu müssen, aber eine ganz andere, nie eine Wahl gehabt zu haben.
Cassia ist irgendwie nicht so wie andere Hauptcharaktere. Klar, ihre Geschichte ist am Ende gleich und sie hat auch diesen Willen zur Rebellion in sich, der aus ähnlichen Büchern bekannt ist. Aber trotzdem hat sie etwas an sich, das sie teilweise eigenartig macht. Manchmal dachte ich mir wirklich: Mädchen, was machst du da? Es fiel mir an einigen Stellen richtig schwer, Cassia zu verstehen, weil sie ein Charakter ist, den man nicht anders als "besonders" beschreiben kann. Sie hat ihre eigene Art und Weise zu denken, die ich manchmal nicht nachvollziehen kann. Sie denkt nach, bevor sie etwas sagt und wirkt auf mich damit sehr ruhig. Sie ist nicht so impulsiv, wie ich es von anderen Büchern gewöhnt bin. Natürlich, sie rebelliert dann dagegen, aber bei ihr wirkt das alles immer noch geplant. Es ist teilweise so, als hätte Ky die Fäden in der Hand und würde Cassia durch die Welt führen. Die eigenständige Cassia fehlt mir ein bisschen. Ich würde mir ein Mädchen wünschen, dass auch selbst etwas entdeckt. Ky kann ihr dabei gern helfen, aber sie muss auch selbst einmal Schritte machen. 
Ky hingegen ist schon so. Obwohl auch er immer nachdenkt, bevor er etwas tut, wirkt er auf mich mehr mit Emotionen ausgestattet als Cassia. Er ist ein Mensch wie du und ich. Über die Jahre hat er jedoch gelernt, sich anzupassen, ruhig zu bleiben und trotzdem ist er jemand, der nicht ruhig wirkt. Ky würde ich am liebsten mit einem Feuer vergleichen. Im ersten Moment ist er noch so unendlich ruhig, doch dann explodiert er. Auch wenn er das nie im Buch getan hat. Er blieb ruhig und gelassen. Und trotzdem ist er eine Persönlichkeit mit einem unendlichen Feuer in sich. Ich kann Cassia hier wirklich gut verstehen, dass sie sich in ihn verliebt hat. Ky ist unglaublich.
Und dann gibt es da natürlich noch Xander, der schon immer eine wichtige Rolle in Cassias Leben gespielt hat und für mich auch sehr bedeutend ist. Er ist derjenige, der Cassia immer auffängt, wenn sie einen Fehler gemacht hat. Während Cassia und Ky nach oben fliegen, steht er weiter dort unten mit einem Netz, bereit die beiden aufzufangen, falls sie fallen sollten. Ich wünsche mir schon jetzt, dass Xander auch sein Glück findet. Er hat es wirklich verdient und manchmal wünsche ich mir wirklich, dass Cassia sich für ihn entschieden hätte.

Geh nicht gelassen in die gute Nacht.
Was gibt es sonst noch zu sagen? ...
Das Cover passt natürlich perfekt. Denn noch sind wir bei dem Zeitpunkt, als Cassia in ihrer kleinen Welt eingeschlosse ist. Vielleicht hätte hier noch irgendwo ein Ky sein müssen, der ja eine erhebliche Rolle spielt, aber sonst finde ich das Cover wirklich gelungen.
Außerdem gefällt es mir mega gut, dass die Autorin immer mal wieder ein paar Gedichte einfließen lassen hat. Die haben die Story ein bisschen aufgefrischt und dafür gesorgt, dass man etwas anderes erlebt als das ewige Geplätscher des kleinen Baches. Um bei dem Beispiel gleich noch einmal zu bleiben. Ich würde die Gedicht mit kleinen Steinen vergleichen, die dem Bach im Weg waren und die das sanfte Wasser zum Stolpern gebracht haben.


"Die Auswahl" ist ein wirklich besonderes Buch, das mich zwar sehr gefesselt hat, aber nicht umgehauen hat. Es hat mich wirklich motiviert, etwas in meinem Leben zu verändern. Trotzdem kann ich diesem Buch einfach nicht 10 Punkt geben, weil mir hier irgendetwas fehlte. Vielleicht ist es gerade dieser reißende Strom, der mich umhaut und diesen konnte ich hier nicht erleben.
Wer jedoch auf diese sanften Geschichten steht, der ist hier hundertprozentig richtig. =)

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